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Die 92. Ausgabe des Vasaloppets.

Der Zeitraum um an diesem historischen Rennen teilzunehmen war, im Gegensatz zu vielen anderen Wettkämpfen, ein verlängerter Männerwochenendausflug, ohne Peters Frau Luise und meiner Heidi. Nur um dabei zuzusehen, wie sich knapp 16.000 Verrückte den Startberg rauf quälen und uns dann erst im Ziel wieder sehen zu können, lohnt sich ein Mitkommen wirklich nicht. Auch als Läufer hast dann wahrscheinlich den Kopf „freier“.

So sind wir also am Freitag, 04.03.2016 von München nach Stockholm/Arlanda nonstop in 2 Stunden ganz entspannt geflogen, holten unseren reservierten Mietwagen ab und machten uns auf den Weg nach Mora, um unsere Startnummern abzuholen. Am Freitag war es noch möglich zu parken, ohne einen kilometerlangen Spaziergang machen zu müssen, und so kamen wir recht zügig zur Messe. Peter bekam die Nummer 2745, 2. Startgruppe, ich die 5404, 5. Startgruppe.

Die Besichtigung der Messe ist immer ein kleines Erlebnis für sich. Sei es um die Vielfalt neuer Bekleidung, die neuesten Skier und Stöcke, Reise-Sportveranstalter oder auch die unterschiedlichsten Wachstipps, die dich noch bisschen nervöser oder unsicherer machen, weil die nicht das empfehlen, was wir haben.

Größtenteils haben wir unsere, je 3 Paar, Skier Zuhause schon präpariert und hatten Wachs dabei, von denen überhaupt kein Wachstipp abgegeben wurde, so dass wir uns auf das verließen, was auf der Verpackung stand.

Wir fuhren anschließend weiter nach Malung, wo wir bei Peters Schwägerin übernachten durften.

Der Skitest war für Samstag geplant und so ließen wir den Abend gemütlich ausklingen.

Das Ausprobieren der Ski zeigte uns relativ schnell, welches Paar den Vorrang bekam. Obwohl ich wieder mal meinen Nowax-Ski dabei hatte, man(n) kann ja nie wissen ,-), den ich nicht einmal getestet hatte, entschied ich mich für den Fischer Carbonlite Plus. Die Gleitzone gewachst mit TOKO HF Blau/Rot und als Steigwachs TOKO Rot. Der Ski war schnell und an den Aufstiegen hatte ich guten Grip. Peter entschied sich dann auch für meine Wachsmischung und wir richteten uns die Ski in aller Ruhe am Abend her. Übervorsichtig wie ich bin, gönnte ich meinem Paar gleich 4 Schichten vom Steigwachs.

Es ging früh ins Bett, weil wir ungefähr eine gute Autostunde von Sälen entfernt wohnten, und wir früh am Start unsere Skier platzieren wollten. Um 3:30 Uhr fuhren wir dann los und waren immer wieder begeistert, dass Wasalauf-Fans frühestmöglich aufstehen, um viele Kerzen an den Straßenrand aufzustellen. Das zeigt das Interesse der Bevölkerung an diesem Event.

Parken konnten wir genau neben dem Startfeld auf Höhe der Startgruppe 9. Und man mag es kaum für möglich halten, es waren vor uns schon sehr sehr viele anwesend, die innerhalb ihrer Startgruppe einen möglichst vorderen Platz ergattern wollten. Ich musste mich hinter ca. 100 – 120 Sportler einreihen, aber kürzester Zeit waren unzählige Läuferinnen/Läufer hinter mir. Das Thermometer zeigt -2 Grad Celsius an und ich war schön dick eingemummelt, sodass mir diese Zeit des Wartens nichts ausmachte. Um 5:45 wurden wir dann, einer nach dem anderen, aufs Startfeld gelassen und ich platzierte meine Ski an 3. Stelle, also ca. 10 Meter vom Startblock 4 entfernt.

Dann hatten wir noch 2 Stunden Zeit bis zum Start, die wir im Auto verbrachten. Es wurde nur verlassen um uns in die unendliche Reihe der Toilettengänger einreihen zu müssen.

Es kam die Aufforderung, um 7:45 Uhr auf seinem Platz zu stehen, was auch die Mehrheit befolgte. Nur vereinzelt kamen noch welche um 7:59 zu ihren Skiern. Wohl die Schlange vor der Toilette falsch eingeschätzt!!??

Die Tasche mit Wechselkleidung konnte schon vorher abgegeben werden, und den Kleidersack mit den warmen Überzieh-Funktionsklamotten konnte man direkt am Startfeld abgeben, sodass die Standzeit nur mit der Rennkleidung minimal ausfiel. Sehr gut und beispielhaft.

Von meinem Startplatz aus konnte ich nicht den Beginn des riesigen Startfeldes sehen, sah aber, dass pünktlich um 8 Uhr die Startleinen nach oben gingen und sich vor mir langsam das Feld in Bewegung setzte. Dauerte ca. 30 Sekunden, bis ich mit normalem Tempo mein Rennen beginnen konnte. Habe mich dieses mal nicht verleiten lassen, wie ein Hektomat von Spur zu Spur zu wechseln, nur weil ich auf der anderen 1,5 Meter weiter nach vorne gekommen wäre, sondern blieb ganz diszipliniert in meiner Spur und bremste auch mal kurz, wenn es notwendig wurde. Weiß doch eigentlich jeder, dass am Berg sowieso nichts schnell voran geht.

So hatte ich meinen ersten Kilometer nach 3:21 Minuten geschafft, bevor der Stau begann.

Für den 2. Kilometer benötigte ich 12.21 Minuten und für den 3. 9:20 Minuten, bevor es mit normal gutem Tempo weiter ging.

Bei einigen Mitstreitern hätte ich gerne mit hochschieben geholfen, da sie mir richtig leid taten (oder aber auch nicht!?) weil sie, eingepfercht zwischen langsam aufsteigenden Langläufern, meinten, wie die Elite auch, kein Steigwachs benutzen zu müssen. Dieses „Schieben“ schaut eher lächerlich und traurig aus.

Habe diesbezüglich einen Beitrag ins Forum gestellt und bin über eure Meinung sehr gespannt.

Jetzt konnte das Rennen also richtig beginnen. Mein Ski war, im Vergleich zu meinen Nebensportlern, nicht langsamer , und an den Aufstiegen hatte ich guten Halt, auch wenn er ab und zu glatt durchrutschte. Natürlich mache auch ich überwiegend alles im Doppelstock, weil es einfach schneller geht, aber an Aufstiegen, hilft es beim Zustand der Spur, nachdem paar Tausend Gladiatoren ihre eigene Spur markiert haben, dann doch, diagonal laufen zu können.

Mit Freude sah ich jeden Kilometer entgegen, wie die Zahl bis zum Ziel weniger wurde. Und meinem Ziel, eine gute 7-Stunden-Zeit zu erreichen, kam ich immer näher. An jeder Verpflegungsstation labte ich mich am Tee oder einem Sportgetränk. An die Blaubeersuppe wagte ich mich nicht. Wusste nicht, wie ich drauf reagiere?? Es war ein ständiges überholen und überholt werden, aber alles im Rahmen der eigenen Startgruppe. Ich kam gut voran, musste mein Tempo an keiner einzigen Abfahrt reduzieren und auch an Anstiegen musste ich nicht warten. Zweimal weichte ich stürzende Läufer vor mir geschickt aus. Aber von der „Loipe“ war, außer an den Abfahrten, nicht mehr viel zu sehen, eher zu erahnen.

Es war trotzdem ein flüssiges Laufen, dass ab und zu auch richtig Spaß machte, noch dazu, wenn die Uhr immer deutlicher machte, eine, für mich, gute Zeit zu erreichen. Das meine Frau sehr Stolz auf diese Zeit und mich sein würde, motivierte mich noch zusätzlich.

Bei Km 81, nach 5:45 Stunden, stellte dann aber leider der Akku meiner Garmin den Betrieb ein.

Aber ich hatte ja lange genug Zeit, um mir meine ungefähre Zielzeit ausrechnen zu können.

In Zielgegend vermisste ich den bekannten kleinen Hügel und sah direkt den Zielbogen und nach meiner Siegespose fürs Bild, sah ich meine Zeit. 6:22:47 Stunden!! JUHHHHHHHUUUUUU

🙂 

Eine Medaille bekam ich nicht umgehängt, aber die Frau, die knapp hinter mir ins Ziel lief schon. Also bin ich nicht weit von den 50 geforderten Prozent auf die Siegerzeit entfernt. Sah dann auch die Tafel, die zeigte, dass ich 6:12:00 Stunden hätte laufen müssen, um das Metall umgehängt zu bekommen. Allerdings wäre es ja auch möglich gewesen, dass der Christian sich 7,5 Minuten länger Zeit lässt, bevor er den Siegerkranz bekommt!!!! Es warten 54%!!

Unsere Bekannten standen im Zielbereich und sagten mir, dass Peter es in 5:25 Stunden geschafft hatte. Peter, Gratulation und Respekt für diese Superleistung. Immerhin ist er in der Altersklasse H65!!!

Der Menschenmenge folgend habe ich die Ski und Stöcke abgegeben und bin ich dann in den Bus eingestiegen, der uns zum Kleidersack und zur Halle mit den Duschen brachte, Das ist alles perfekt organisiert und durchgeführt worden.

Nach dem Duschen bin ich wieder zum Ziel gefahren, habe in der Messe noch ein schönes „Vasaloppet 2016“-Funktionsshirt für Heidi gekauft und habe mein Diplom abgeholt.

Peter nahm den selben Weg und wir trafen uns mit der Urkunde in der Hand.

Er gratulierte mir zu meiner Zeit, wusste, dass ich mal das abgerufen habe, was ich zu leisten imstande bin, und wir machten uns auf den Weg und verließen das Zielgebiet!

Es war ein schönes Erlebnis! Mehr, oder eine schnellere Zeit hätte ich nicht leisten können. Habe schon gemerkt, dass zum Ende hin die Kraft nachlässt. Aber dann heißt es halt, die Zähne zusammenzubeißen und sich selbst quälen. Es hat ja auch mal ein Ende. Bin Stolz auf meine Leistung!!!

Am Montag flogen wir dann wieder zurück nach München. Es hat alles bestens geklappt und ich werde sicher noch länger mein Grinsen im Gesicht haben! 😉

 

Stefan Eich