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Skimarathon FOSSAVATNSGANGAN 2017

Das sich das Wetter in Island oftmals am Tag ändert, ist bekannt und dass sich dadurch die Skipräparation nachweislich sehr erschwert, ist die logische Schlussfolgerung.

Schon 14 Tage vor dem Rennen, dass am 29.04.2017 startete, schaute ich täglich auf yr.no nach den aktuellen Wetterwerten, sowie auf die Vorschau der folgenden Tage.

Und wirklich!!!, jeden Tag las ich andere Werte!!

Nichtsdestotrotz wollte ich mit einem gewachsten Ski nach Isafjördur Anreisen.

Kurz vor dem Abflug meldete der Wetterbericht: Neuschnee am Freitag, die Nacht zum Samstag frostige -4 Grad und leichten Schneefall am Samstag Vormittag. JUHHHUUU dachte ich mir, da nehme ich doch für die Gleitzone „Rot“ und bügle mal eine Lage „Grün-Basis“ auf die Steigzone, damit ich dann nur noch, je nach aktueller Temperatur, gelbes oder rotes Trockenhartwachs auf die Basis reibe.

Gedacht, gesagt, getan……Ski gut verpackt und ja nicht mehr nachschauen, wie das Wetter wirklich wird!

 

In Isafjördur angekommen, der erste Schock!! Es stürmt!! Nein, nicht nur eine kleine Windböe, es stürmt richtig heftig!!

Das „Race-Office“ ist relativ schnell gefunden, paar Meter durch den Sturm und schon ist die „Messe“ sichtbar. Sie besteht zwar nur aus 4 Ständen, aber immerhin!!

Meine Startnummer ist die 331! Die Startnummer plus Busfahrplan plus Transponder wurden in die Tüte für die 25 km-Teilnehmer (die Tüten für die 50 km waren ausgegangen) gesteckt und zusätzlich bekam ich 4 Aufkleber, 2 für die Skier, 2 für die Wäschetüte. Somit war diese erste Pflicht auch schon erledigt.

 

Im „Craft-Store“ wurde ein Wachs-Service angeboten. Um mal zu schauen, was für das morgige Rennen empfohlen wird, machten Heidi und ich uns auf den Weg in dieses Geschäft. Der zweite Schockmoment folgte! Es ist Klister angesagt!!

Hier seht Ihr, was gewachst werden sollte:

 

Klister hatte ich natürlich nicht mitgenommen, darum kaufte ich mir von Rode das Multigrad K76 und fragte einen Fachmann, ob ich das auch auf meine Hartwachsbasis machen könnte, und er bejahte dies. Mit dem Gleitwachs lag ich mit rot, zum Glück, richtig.

 

Anschließend haben wir uns noch erkundigt, wie, wann und wo der Bus ins Start/Zielgebiet nach Seljalandsdalur fährt und sind selbst mal zum Start gefahren, da am Vortag des Rennens diese Strecke noch nicht gesperrt wurde.

Es waren einige Teilnehmer beim Testen ihrer Ski, und in keinem Läufer war ein frohes oder zuversichtliches Gesicht zu erkennen, da der Wind unablässig stürmte, und es leicht regnete. Nach einer Tasse Kaffee, die Heidi kostenlos bekam, machten wir uns auf nach Flateyri, wo wir unsere Unterkunft hatten und ich auch meine Skier weiter herrichten wollte/musste.

 

Mit Skiwachsen kenne ich mich eigentlich aus, wenn es nicht gerade mit Klister ist.

Aber auch das bekomme ich hin, waren meine Gedanken. 3 dünne Lagen sollten es werden. Die erste gleich fischgrätenförmig aufgetragen und mit dem Handballen langsam und gleichmäßig verteilt. Die zweite Schicht tat ich eine Stunde später im selben Verfahren drauf und für die dritte nahm ich mir den Rennmorgen vor, was ich dann auch tat.

 

Das Material war vorbereitet, jetzt fehlte noch die Versorgung des Antriebs.

Also her mit den Nudeln! Heidi hat ihre legendären Spaghetti „Bolognese“ mit Salat gemacht und ich tankte genug Kohlehydrate um diesbezüglich beruhigt an den Start zu gehen.

 

Heidi war beim Abflug von München schon leicht gesundheitlich angeschlagen und der Wind sowie der ganze Reisestress verschlimmerten ihren Zustand so sehr, dass wir entschieden, dass es nichts bringt, wenn sie sich noch mehr dem Wetter aussetzt, und doch lieber in der Unterkunft bleibt, anstatt mit zum Start zu fahren, was ja auch frühzeitig geschehen müsste.

 

Um 6 Uhr bin ich dann aufgestanden, machte die dritte Wachsschicht auf die Skier und frühstückte in aller Ruhe. Ab 6:30 Uhr fuhren die Busse zum Startgelände und um 7 Uhr stand ich an der Haltestelle bereit um den nächsten Bus zu nehmen. Die Fahrt dauerte nur ca. 10 Minuten.

Ach, ich vergaß Euch ja noch mitzuteilen, wie sich das Wetter präsentierte!!

Es war sonnig mit ein paar weißen Wolken vor strahlend blauem Himmel und nicht mehr ganz so starken Sturmböen! 🙂 Kurz gesagt, fast perfektes Rennwetter.

 

Oben (es ist auf ca. 200 Höhenmeter) angekommen bin ich dann erstmal in das Gebäude gegangen um mich zum Skitesten herzurichten und machte mich auf zur Loipe, die schon gut besucht war, schnallte mir die Bretter an, lief los, und………

der Ski hielt!!

Erleichtert bin ich dann paar hundert Meter gelaufen und wieder zurück ins Gebäude zum Umkleiden gegangen. So kurz nach acht war ich eigentlich Startbereit, hatte aber noch eine knappe Stunde Zeit. Da dieses Gebäude das einzige hier war, war es natürlich gut gefüllt und es war ein ständiges Kommen und Gehen. Außer den Zuschauern, die sich die besten Plätze gesichert hatten und es bis zum Start auch auf diesen Plätzen aushielten.

Um 8:30 bin ich dann Richtung Startfeld gegangen um meine Ski dort abzulegen. Das Feld war, wie gewohnt, aufgeteilt.

Ganz vorne startete die Elite (Frauen und Männer), dahinter Läufer, die unter 3 Stunden laufen, dann kamen die Läufer unter 4 Stunden, in das ich mich stellte, dann noch die, die voraussichtlich länger unterwegs sein werden.

 

Gemeldet war auch Petter Northug!! Obwohl ich mich neben dem Startfeld leicht warm lief, habe ich ihn nicht gesehen! 🙁

Und auch als ich im Feld stand und noch viele vor mir ihren Platz einnahmen, entdeckte ich ihn nicht. Startet er überhaupt??

Aber dann konzentrierte ich mich auf den Start, der kurz bevorstand.

Punkt 9 :00 Uhr fiel der Startschuss und das Starterfeld machte sich auf den Weg.

 

Die Loipe war in gutem Zustand und überwiegend waren es zwei Spuren, was auch reichte.

Außer Helfende Hände an den Verpflegungsstellen sah ich nichts anderes als andere Teilnehmer, Schnee, Stein, geile Aussichten und super Wetter.

Zuschauer, Anfeuerungsrufe, Sambabands oder Ähnliches…..Fehlanzeige!!!

 

Die ersten 8 Kilometer waren für mich sehr anstrengend und bin da oft überholt worden. Fand irgendwie nicht meinen Rhythmus! Außerdem ist mir noch vom rechten Stock eine Schlaufenbefestigung gerissen. Aber es ging dann so allmählich, dass ich zwar nicht großartig überholte, aber auch nicht mehr überholt wurde. Hatte lange Zeit immer die selben Wettkämpfer um mich. Die Kilometer zum Ziel schrumpften aber die Aussicht war unverändert fantastisch genial.

Es ging eigentlich ständig auf und ab mit einigen kurzen geraden. Manchmal kam eine Windböe als es bergan ging und sie mir unterstützend half, manchmal aber auch während einer Abfahrt, an der dann zusätzlich noch geschoben werden musste um vorwärts zu kommen. Zurückblickend betrachtet waren diese Windverhältnisse jetzt für mich nicht rennentscheidend, sondern sie waren halt einfach da.

Die letzten 15 km überholte ich dann die restlichen 25 km Teilnehmer, die 1 Stunde nach uns gestartet sind, was aber auch nicht hinderlich war.

So ca. 7 Km vor dem Ziel ging es dann noch eine lange Passage bergauf, die ich wirklich komplett tippelnd hoch gelaufen bin (der Ski hielt!!) und dann machte ich mich auf den letzten Abschnitt des Rennens und überholte noch einige 50er. Es ging mir gut und ich fühlte mich stark! Das Rennen hätte jetzt gerne länger sein dürfen. Platz um Platz machte ich gut. Und dann war auch schon das Ziel vor mir und die Uhr zeigte 3:49 Stunden an. Ok, 3:30 Stunden wollte ich erreichen, aber mit dieser Zeit bin ich zufrieden. Noch eine Medaille umgehängt bekommen und schon schnallte ich die Ski ab.

In der Gesamtwertung bin ich auf Platz 122, bei den Herren Platz 112 und viertbester deutscher Teilnehmer, dritter Deutscher in meiner Altersklasse! 😉

Bei knapp 500 Teilnehmer heißt das im 1.Viertel gelandet. PASST!!!!!!!!!

 

Stefan Eich