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La Venosta

Bericht: Stefan Eich

Ein neuer Volksskilanglauf und ein weiteres Langdistanzrennen der Visma Ski Classics feierten dieses Jahr ihre Premiere. Den Athleten der VSC-Serie war der zeitliche Abstand vom Livigno bis Seefeld zu lange, so dass ein Lückenfüller organisiert werden musste.

Für die Nichtprofis war die Anmeldung, bzw. das Teilnehmerfeld, auf 500 Starter begrenzt. Eigentlich!!! sollten es für die Profis 40 km und für die Normalos 30 km sein, aber die Organisatoren, raffiniert wie sie sind, haben für alle eine Strecke von 34 km kreiert, so dass der ambitionierte Skilangläufer sich mit den Besten der Szene direkt vergleichen kann (und muss)!! Es gab am 14.12. drei Starts. Um 8:30 Uhr gingen die Elite-Männer mit einer Stärke von 76 Athleten ins Rennen, um 10:00 Uhr starteten 36 Frauen und um 12:20 Uhr wurde die Meute von 197 Sportlerinnen (20) und Sportler (177) losgelassen. Alle liefen in der klassischen Technik.

Streckenmäßig wurde geändert, was verändert wurden konnte. Ursprünglich war angedacht, dass der Start in Kapron ist und dann in Melag eine Runde bis zur Melager Alm 3x gelaufen (30 km) wird. Die Guten sollten diese Runde 4x (40 km) laufen. Dann hieß es, zumindest bis zum 13.12., dass es eine 8,5-Km-Runde gibt, die für alle 4x absolviert werden muss. Und kurz vor dem Start erfuhr ich, dass es zuerst eine kürzere Runde gibt und dann 3 längere. Da es ansonsten kurz nach dem Start in eine nicht wirklich einfache Abfahrt gegangen wäre, war diese Entscheidung, das Feld bis dahin auseinander zu ziehen, die richtige Entscheidung. 

Da Heidi und ich schon am Freitag nach Graun angereist waren, nutzte ich doch gleich die Gelegenheit, dass ich, nachdem ich mit Carsten die Startnummer geholt habe, mir doch mal die Runde anschaute. Es war in dieser Wintersaison das erste Mal, dass ich auf Langlaufski stand und ich fragte mich unermüdlich, warum ich den ganzen Sommer auf Skiroller trainiert habe oder ob ich meine Trainingseinheiten nur geträumt habe, so anfängermäßig kam ich mir vor und so anstrengend war es. Und die Runde! Es war ja gar nicht meins. Es ging abwärts, größtenteils ohne Spur und eisig, oder aufwärts, steil oder langgezogen schleichend! Gerade Stücke? Fehlanzeige! Und auch wenn ich, technisch, auf den Skirollern überhaupt kein Problem aufwärts habe, so sieht das auf Schnee ganz anders aus. Selbst wenn Grip vorhanden ist, sicher nicht so 100%ig wie im Sommer, so ist das eher ein „staksen“ als ein gleichmäßig effektives diagonales Gleiten und das strengt doch gewaltig an. Also wurde geschoben, was ich mir zugetraut hatte. Ich war froh, als ich diese eine!! Runde endlich hinter mir hatte und die Fellski abschnallen durfte. Motivierend war diese Trainingsrunde für den bevorstehenden Wettkampf erstmal nicht. Allerdings kannte ich ja die Situation, dass das erste Mal auf Ski IMMER, jedenfalls für mich, sehr ungewohnt und extrem, im Vergleich zu den vielen Malen danach, anstrengend ist. Alles wieder im Bus verpackt machten Heidi, Carsten und ich uns auf den Rückweg zur Unterkunft. Mit Carsten verabredeten wir uns dann zum Abendessen in unserem Hotel, genossen dieses und ließen den Abend ruhig ausklingen. So ein später Start hat den Vorteil, dass es frühmorgens keine Hektik bezüglich des Frühstücks gibt. Alles kann ganz entspannt und zu normalen Frühstückszeiten eingenommen werden und es ist immer noch genügend Zeit um sich in aller Ruhe umzuziehen und mit dem Shuttlebus zum Start zu fahren.  ☺

Die Wettervorhersagen für Samstag waren auf jeder Internetseite unterschiedlich. Recht zuverlässig ist eigentlich immer der norwegische auf yr.no! Dieser sagte für Vormittag Schneefall und eine Temperatur von -12°C voraus und mittags wechselhaft und -5°C. An diese Angaben hielt ich mich auch beim Wachsen. Die Skier präparierte ich schon daheim und nahm rot mit einem kleinen Anteil an blau für die Gleitflächen und eine gebügelte grüne Basis und 3 Lagen rot für die Steigzone. Allerdings gab es vormittags keinen Schneefall und die Temperaturen waren insgesamt auch milder. Geändert habe ich trotzdem nichts. Wäre der Ski zu „glatt“, dann schiebe ich eben mehr, wäre er zu stumpf, dann ist es halt anstrengender! ;-)

Da die Straße von Graun bis zum Start gesperrt wurde, kamen Shuttlebusse zum Einsatz. Dies klappte sehr gut und ich kam so gegen 11 Uhr im Startgelände an. In Höhe des Zieleinlaufes konnte ich dann auf einem großen Monitor live das Frauenrennen verfolgen. Im großen Zelt zog ich mich um und brachte den Kleidersack in die Nähe des Zielraumes, damit ich nach dem Zieleinlauf auch sicher nicht friere. War noch kurz auf der Toilette, habe die letzten Angsttropfen entleert und bin mit dem Equipment in der Hand Richtung Startgelände gegangen, als die Durchsage kam, dass der Start erst um 12:20 Uhr ist, da die Frauen noch unterwegs sind. Also nochmal zurück ins Zelt und warten. So um 12:10 Uhr ging Carsten mit mir zum Start. Hatte mir vorgenommen, dass ich von ganz hinten starte, damit ich nicht gleich am Anfang überpace. Eine andere Taktik wäre auch überhaupt nicht möglich gewesen, da das Starterfeld komplett voll war und wir gerade noch Platz vor dem Zaun hatten. Frage mich gerade, was die Organisatoren gemacht hätten, wenn sich tatsächlich 500 Langläufer/innen angemeldet und auch das Bedürfnis hätten, zu starten? Es fiel dann um 12:19 Uhr der Startschuss und das Feld bewegte sich relativ zeitnah in Richtung Strecke.

Anfangs kam ich mir vor wie 2014, als ich beim Vasaloppet aus Startblock 8 starten musste, so „schlich“ ich dem Feld hinterher und an der Spitze sah ich, wie sich alles schnell auseinanderzog. Aber ich wollte es ja so!! Langsam begann ich mein eigenes Tempo aufzunehmen, überholte einige, die mir offensichtlich zu langsam waren, und „schwamm“ mit. Es ging ja sowieso gleich permanent leicht steigend Richtung Melager Alm.Meine Rossignol hatten zwar nicht den perfekten (gewünschten) Grip, aber er war auch nicht zu glatt, obwohl ich schon des Öfteren griplos war. ☹

In der ersten Runde erreichte ich beim höchsten Punkt eine Herzfrequenz von 166 und anschließend, am Anfang der 2. Runde an einer kurzen aber knackigen Steigung, meinen Maximalpuls, in diesem Rennen, von 170 Schlägen/Min. Von da an ging es mit dem Puls stetig bergab und ich bekam ihn erst wieder, nach einer gelaufenen Zeit von über 2 Stunden, in einen Bereich von über 150!!?? Das gefühlte und gelaufene Tempo bestätigten meinen Zustand. Zum Ende der zweiten Runde begannen die Überrundungen. Bis dahin wurde ich nicht überholt! Außer den vielen Läufern, die mich überrundeten kam von hinten keine Gefahr. So nach und nach überholte ich vereinzelte Läufer und Läuferinnen und fühlte mich in der letzten Runde eigentlich am besten, obwohl auf der längeren Abfahrt der Gegenwind immer mehr zunahm und ich da schon kräftig Doppelstock schieben musste um voran zu kommen. Blöd war, dass vom Rückenwind überhaupt nichts zu spüren war, da die Steigung durch geschütztes Gebiet ging! ☹

Nach 2:53 Stunden erreichte ich, ziemlich fertig, das Ziel, bekam eine schöne Wollmütze (anstatt einer Medaille) holte meine Wäsche und begab mich ins Zelt. Carsten saß schon fertig umgezogen da und gönnte sich die angebotene Pasta. Mit einer Laufzeit von 2:36 Std. war er zufrieden, musste aber fast komplett durchschieben. Wir unterhielten uns noch bisschen über das Rennen, aber dann begann es mich zu frieren und ich machte mich auf den Weg zum Shuttlebus um wieder zum Hotel zurück zu kommen. Auch das klappte reibungslos und im Hotel angekommen begrüßte ich meine Frau, erzählte vom Rennen und verabschiedete mich auch gleich wieder, da ich unverzüglich den neuen Wellnessbereich aufsuchen wollte.

Der La Venosta ist landschaftlich ein wunderschönes Rennen. Allerdings schade, dass es Runden zu laufen gibt und diese, jedenfalls für mich, sehr anspruchsvoll sind. Das Gebiet würde sicher noch mehr von seiner Landschaft zeigen können! Ob ich bei der 2. Ausgabe wieder mit dabei bin, steht noch in den Sternen. Allerdings weiß ich, dass ich am 19.01.2020 beim Dolomitenlauf am Start stehen werde und anschließend hier wieder ein Bericht von mir zu lesen ist!

 

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