· 

Dolomitenlauf 2020

von Stefan Eich

Zum 50. Jubiläum lädt der Dolomitenlauf mit neuer Streckenführung ein. Das Streckenprofil des Rennens ist für mich so interessant, dass ich mich relativ früh angemeldet habe, obwohl ich nach dem Rennen 2014 gesagt hatte, dass ich da nicht mehr laufen werde! Damals war der Start und ein Rundkurs in Obertilliach mit einer anspruchsvollen Strecke. Bei einem Sturz erlitt ich einen Stockbruch und musste lange mit nur einem Stock laufen, bevor ich an einer Verpflegungsstation Ersatzstöcke bekam. Meine sehr teuren Stöcke konnte ich da lassen und mir wurde gesagt, dass ich sie im Ziel wiederbekomme. Als ich ins Ziel kam wurden mir umgehend die Leihstöcke abgenommen, aber von meinen war nichts zu sehen.  ☹ Auch auf mein mehrmaliges Nachfragen per Email blieben die Stöcke unauffindbar. Darum war es das damals erstmal für mich, dort wieder an den Start zu gehen.

Diesmal fuhr ich mit einem erweiterten Betreuer/Anfeuerungsteam nach Osttirol in die Sonnenstadt Lienz. Mein Sohn Dennis und seine Lebensgefährtin Annika begleiteten mich zusammen mit Sarah und David. Schon um 6 Uhr machte ich mich auf den Weg, um Annika und Dennis in Friedberg abzuholen und danach in München Sarah und David einzuladen. Wollten dieses Wochenende auch für paar Spaßaktivitäten nutzen und ich wollte zumindest einen Teil der Strecke auf Skiern besichtigen. Es war ein trüber, nebliger, regnerischer und kalter Tag und von der schönen Gegend konnten wir leider nicht viel sehen. Trotzdem verlief die Anreise ohne Komplikationen und wir waren pünktlich um 12 Uhr in Lienz und bereit zum Einchecken. Nachdem wir den Bus ausgeladen hatten, unsere Zimmer bezogen und uns frisch gemacht haben fuhren wir Richtung Sillian in die Startgegend. Der Start war in Heinfels. Kurz vor Heinfels sahen wir an einem Tennisplatz mehrere Autos stehen, gesellten uns dazu und ich packte meine Skier aus und begab mich auf die Originalstrecke. Nach einer Stunde wurde ich wieder aufgesammelt und wir fuhren zum nächsten Etappenziel, dem Eislaufplatz. ☺  Im Internet sah ich, dass der Publikumslauf nur bis 16:30 Uhr geöffnet ist, also knapp 50 Minuten noch, was sich für uns aber als vollkommen ausreichend erwiesen hatte. ☺  Wir liehen uns alle Schlittschuhe aus und die Qualität dieser war katastrophal!! Es waren Plastikschalen die, egal in welcher Größe, nicht passten aber überall drückten. Aber wir ignorierten dies und hatten jede Menge Spaß auf dem Eis! ☺

Anschließend besuchten wir die Stadtmitte, bummelten durch die Straßen und suchten ein gutes Restaurant. Mittlerweile war es 18 Uhr und wir dinierten sehr gut und ausreichend. 

Von daheim nahm ich 5 Holzschlitten mit, da es beschneite und beleuchtete Rodelbahnen gab. Und eine davon war gleich in der Nähe. ☺ Wir stiegen eine knappe Stunde die teils sehr steile Bahn nach oben und beschlossen nach bisschen mehr als die Hälfte, dass dies doch für so Rodelanfänger wie wir es sind, durchaus ausreichend ist. Wir sausten also wieder talwärts, hatten gutes Tempo drauf, viel Schnee im Gesicht und enorm viel Spaß!! Leider war die Strecke dann doch viel zu kurz! ☹

Weil das alles natürlich noch nicht genug war, verabredeten wir Männer und noch zu einer kleinen Krafteinheit in der hoteleigenen Fitnessabteilung! ☺

Die Skier präparierte ich schon am Freitag. Das Profil erlaubt mir ein durchwachsen und ich entschied mich für TOKO HF rot auf der gesamten Lauffläche. Irgendwie war ich nervös. Kann durchaus daran liegen, dass mir die Sicherheit vom Steigwachs fehlte!? Trotzdem schlief ich gut. Um 8 Uhr trafen wir uns zum Frühstücken. Es gab ein reichlich gedecktes Büffet mit allerlei frischen Sachen, also alles was ein Sportlerherz begehrt.

Wir machten uns auf den Weg nach Heinfels. Zuerst musste ich noch meine Startnummer (319) abholen aber dann begaben wir uns auch schon ans Startfeld. Es war gut gefüllt. Um 10 Uhr war der Start des 30-km-Rennens. Um 10:15 Uhr dann unserer. Mit der 319 war ich für den 2. Startblock (von 3) vorgesehen und sah beim betreten, dass dieser komplett gefüllt war, so, dass ich mich ganz hinten zwischen 2 Spuren hinstellte. Kurz vor dem Startschuss wurden die Trennungsnetze hochgezogen, so dass nach vorne gewandert werden konnte. Eine Spur fand ich trotzdem nicht genauso wie eine bessere Startposition. ☹

Der Sonntag war ein sonniger und kalter Tag. Perfekte Bedingungen für so einen Wettkampf! Pünktlich um 10:15 Uhr wurde geschossen und die Meute bewegte sich. Am Anfang war es gleich flach und leicht abfallend. Bei einem Spurwechsel spürte und hörte ich ein Knacken und sah, dass mein linker Stock nur noch zur Hälfte an meiner Hand hing. SUPER!!!! Das war es wohl!? Es war auch noch mein teuerster Stock. Ein SWIX Triac 2.5. ☹ Sofort machte ich mich auf die rechte Seite des Feldes und schob mit nur einem Stock weiter. Bei der ersten Wende, ca. 300 m nach dem Missgeschick, sah ich einen Mann mit 2 Stöcken stehen, der mir zu verstehen gab, dass er einen Ersatzstock für mich hat. Er fragte nach der Größe (er hatte sowieso nur ein Paar dabei!!??) und gab mir einen rechten Stock in der gleichen länge (160 cm) die ich sowieso habe. PERFEKT! Wir wechselten diesen dann noch in den Linken und weiter konnte es gehen. Allerdings habe ich dadurch viele Plätze und auch einiges an Zeit verloren, ganz abgesehen von einem guten Stock. Einige waren noch hinter mir und ich machte mich ans Überholen. Nach dieser besagten Wende liefen wir wieder in Richtung des Startfeldes und ich hatte schon ein blödes Gefühl, dass ich plötzlich so weit hinten war. Meine „Mannschaft“ wusste ja nicht, dass dies einen besonderen Grund hatte. Die Skier liefen gut und so langsam nahm ich mir einen nach dem anderen vor. Die Loipe verengte sich teilweise bis auf nur 2 Spuren und ich musste oft Tempo rausnehmen, da ich nicht überholen konnte. Das brachte mir zwar immer wieder neue Luft, aber ich verlor den guten Rhythmus. So langsam kam ich dann in die Region, dass die zu überholenden immer weniger wurden und ich „mein“ Tempo gut laufen konnte. Wenn ich mich an einen Vordermann anheften konnte war dies meist nicht lange bis ich vorbeilief und meinen Windschatten konnten sie dann nicht mehr nutzen. ☺ Es waren teils rasante Abfahrten, aber alles verlief bei mir ohne Sturz. Beim Tempo merkte ich deutlich, dass mir das Profil, wie vorausgeplant, gut liegt. Ich konnte kraftvoll Schieben, auch die Anstiege. Nur bei einem längeren musst ich in den Grätscheschritt wechseln. Die noch zu laufenden Kilometer reduzierten sich rasend schnell und obwohl ich kein einziges Mal auf meine Uhr geschaut habe, wusste ich, dass ich mein Ziel, eine Zeit zwischen 2:30 – 2:45 Stunden erreichen werde! Es war ein Rennen, an dem ich oft gelächelt habe und nicht einen Schwächepunkt hatte. ☺

Annika, Sarah, David und Dennis versuchten so oft wie möglich, mich zu sehen und anzufeuern und ich sah sie 5-mal an der Strecke stehen um mich zu motivieren!! Dennis reichte mir immer bisschen Red Bull, was mir auch gut tat! Die Loipe war hervorragend präpariert, auch wenn manche sonnige Abschnitte den Schnee bisschen stumpf und langsam machten. 

Beim Zieleinlauf sah ich die große Uhr über der Ziellinie und war erstaunt, dass ich die 42 km in 2:21:18 Stunden geschafft habe.  JUHUUU! ☺ Ein einziger Läufer hat mich in dieser Zeit überholt, ansonsten war immer ich der Überholer! Ein Junge hing mir die Medaille um den Hals und gratulierte mir. Dann gab ich den Leihstock bei den Kleidersäcken ab, suchte meinen halben abgebrochenen SWIX und war nicht besonders überrascht, dass er nicht da war! ;-)

Meine 4 standen auch schon im Ziel und gratulierten mir. Ich nahm noch heißen Tee zu mir und wollte dann nur noch aus der Kleidung und den Schuhen raus. Also gingen wir zum Bus. Ich wechselte die Kleidung und wir schauten nochmal zum Ziel. Dort entdeckten wir noch einige, die anfangs noch vor mir waren. ☺

Wir beschlossen, dass wir uns auf den Rückweg machen, bevor die ganzen Skifahrer den gleichen Gedanken haben und die Straßen zu voll werden. Und außer ein paar kleinen Stauungen ging es ganz gut vorwärts! In München verabschiedete ich mich von Sarah und David, in Friedberg dann von Annika und Dennis und daheim wurde ich von Heidi begrüßt und ich erzählte das Erlebte.

Es war ein schönes und erfolgreiches Wochenende und ich möchte mich an dieser Stelle beim Organisationsteam und allen Helfern des Dolomitenlaufes für diese wunderschöne Veranstaltung bedanken.