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Kitzbüheler Horn / Skate the Horn

Stefan Eich

Am 15. Juni 2020 las ich mit Begeisterung auf der xc-ski.de-Seite, dass Österreich eine neue Skiroller-Rennserie ins Leben ruft, der Auftakt ein Berglauf aufs Kitzbüheler Horn sein soll und das Starterfeld international sein wird! Selbstverständlich konnte ich es kaum erwarten, dass ich mich für diesen „Pletzer Resort Sommer-Grand-Prix für Langläufer“ anmelden kann. Als die Nennung dann geöffnet wurde, war ich der Erste! ☺

Fast täglich verfolgte ich die Anmeldungen und sah, dass die deutsche Elite mit z.B. Lucas Bögl, Janosch Brugger und Andreas Katz auch mit an den Start gehen, ebenso wie die österreichischen Spitzenläufer. Die Teilnehmerzahl war auf 100 Starter limitiert, aber laut der Nennungen war diese Zahl ruckzuck erreicht, bzw. schon überschritten. Allerdings stand mein Name mit dabei und das beruhigte mich! Erstmal!

Vor zwei Wochen, als ich wieder mal nachschaute, ob evtl. neue Altersklassenkonkurrenten mit dabei sind (war der älteste gemeldete Teilnehmer), war ich überrascht, dass nur noch österreichische Athleten auf der Meldeliste standen und schrieb sofort das Organisationskomitee an, um zu erfahren, was dafür denn der Grund sei!?                  Eine Antwortmail ließ nicht lange auf sich warten und der Chef des Teams, Toni Ehrensperger, bat mich um meine Telefonnummer, damit er mich anrufen kann um alles zu erklären. Als er mich dann anrief, erfuhr ich, dass der ÖSV den Status Landesoffen mit ausländischer Beteiligung, coronakrisenbedingt nicht aufrechterhalten kann und nur österreichische Sportler starten dürfen. Er hat aber erreicht, dass „die Deitschen“ im Anschluss der gestarteten Österreicher auf der gesperrten Panoramastrasse, diese 7,2 km bei 858 Höhenmeter, als „Trainingslauf“ nutzen können. Mit Zeitnahmechip, allerdings ohne Startnummer und es wird auch keine Meldegebühr erhoben. Auch werde für dies Gruppe auch kein offizielles Rennergebnis veröffentlicht, aber die Ergebnisse bekommt jeder einzelne per Mail zugeschickt! Damit konnte ich Leben!  ☺

Als ich vorher schon immer die Namen las und diese dann gegoogelt hatte, war mir klar, dass da nur Gute oder Kaderathleten an den Start gehen, und eben ich! ☺ Mir war also von vornherein klar, dass dies ein Rennen geworden wäre, bei dem ich die langsamste Zeit des Teilnehmerfeldes erreicht hätte. Aber da kein „Rennen“ für mich stattfand, bin ich auch nicht letzter geworden!  ☺  Allerdings, hätten sie eine Altersklassenwertung gemacht, wäre ich 2. geworden und hätte es einen Sonderpreis für den ältesten Teilnehmer gegeben, dann ganz klar den 1. Preis! ☺

Diese kleine Reise ins schöne Tirol nutzte ich doch gleich mal wieder für einen Familienausflug mit meinem Sohn Dennis und seine Freundin Annika sowie meiner Schwiegertochter Sarah mit ihrem Freund David. Heidi, meine Frau, musste krankheitsbedingt leider das Bett und die Katzen hüten. ☹ Gebucht haben wir 3 schöne Zimmer im Hotel Gamshof, im Kitzbüheler Zentrum. Dort angekommen nutzten wir das herrliche warme Wetter um die Stadtmitte vom Gamsdorf zu erkunden. Wir sahen da schon viele schikimiki-Läden, schikimiki-Leute und natürlich schikimiki-Autos! Beim Huberbräu konnten wir auf der Terrasse Abendessen und fuhren anschließend noch zum morgigen Start.

Nach dem guten und reichhaltigen Frühstück ging ich zur Hornbahn um die Startunterlagen zu holen und sah, dass es komplett bewölkt und eine hohe Regenwahrscheinlichkeit zu erwarten war. Vor dem mit Plexiglas geschütztem Schalter haben sich schon viele Teilnehmer eingefunden und mit dem notwendigen Sicherheitsabstand wartete ich um die Startliste, den Zeitnahmechip, die Berechtigungskarte für die Panoramastrasse und ein schönes Käppi von Kitzbühel in Empfang zu nehmen. 

Der „offizielle“ Start ist für 10 Uhr geplant und der Start der „Trainingsgruppe“ um 10.30 Uhr. Da die Straße ab 9:45 Uhr gesperrt wurde, waren wir relativ früh am Startgelände. Nachdem ich meine Sachen aus dem Auto geräumt hatte, schickte ich mein Betreuerteam schon mal Richtung Ziel und begab mich zum Startpavillon um ein bisschen Schutz vor dem eintretenden Regen zu bekommen. Den gleichen Gedanken hatte auch das Fernsehteam vom ORF, die mit einer Kamera vor Ort anwesend waren. So nach und nach kamen die ersten Starterinnen und pünktlich um 10:00 Uhr ging die erste Dame auf die Strecke. Mit der Startnummer 2 folgte dann 20 Sekunden später Teresa Stadlober und so ging es alle 20 Sekunden weiter, bis alle 34 Athleten gestartet waren. Das Kamerateam verabschiedete sich mit dem Quad und nun waren noch 19 Minuten Zeit bis zu unserem Start. Der anfängliche leichte Nieselregen entwickelte sich zu einem „normalen“ Regen und keine Aussicht auf Besserung. Es dauerte dann auch bis 10:26 Uhr, bis dann außer mir, noch andere Starter erschienen. Laut Startliste waren ca. 15 Sportler von der STP Ruhpolding und anderen Vereinen gemeldet, aber so viele habe ich nicht gesichtet. Ich ging um 10:30.40 Uhr mit der gedachten Nummer 110 als 3. auf die Strecke. Vor mir ein Junior und eine Juniorin. Nach dem Start schafft man ca. 80 Meter im Doppelstock und dann geht es schon mit der Steigung und dementsprechend im Diagonalschritt weiter.

Nach 2:30 Min und etwa  40 Höhenmeter hatte ich einen Puls von 165, so wie ich es auch wollte, damit ich noch bisschen Spielraum nach oben hatte, aber nicht übersäuere. Das konnte ich auch noch bisschen halten, bis er aber permanent wieder nach unten ging. Er war sogar auf 150! Ich habe alles versucht ihn wieder hoch zu bekommen, aber er stieg nur langsam wieder Richtung 155. Schneller konnte ich aber auch nicht rollern!? Erst zum Schluss hin habe ich ihn wieder auf 168 jagen können. Lucas Bögl, der nur 40 Sekunden hinter mir gestartet war, brauchte natürlich nicht lange um mich zu überholen, genauso wie die anderen Starter, die nach mir auf die Strecke gingen! Nachdem der/die 7. Läuferin an mir vorbei rollerte, sah ich auch schon den Besenwagen hinter mir!

Dennis und David standen bei km 5 und reichten mir eine Red Bull-Cola-Mischung zu Stärkung, was ich auch brauchte. Kurze Zeit später sah ich in einer Kehre, dass schon die Banner abgemacht wurden und sagte zu den Arbeitern, dass sie doch bitte das Ziel noch aufgebaut lassen sollen, bis ich im Ziel bin! :-)  Sie sagten, dass das schon klar gehe und außerdem ist ja noch eine Läuferin hinter mir! Irgendwie hat mir diese Aussage ein bisschen Antrieb gegeben und es lief, trotz steilerer Strecke, besser! Bei Kilometer 6 und nach genau 60 Minuten kam dann die nächste Stärkung von Sarah und Annika und damit auch der letzte Kilometer! :-)   Das letzte Stück ist gut einsehbar und ich entdeckte auch meine Jägerin paar Kehren hinter mir. Nicht als letzter ins Ziel zu kommen war natürlich ein sofortiger Wunsch, den ich mir selbst erfüllte. Auch wenn ich die schlechteste Laufzeit erreichen werde, komme ich aber nicht als Letzter in Ziel! Gedacht-gemacht-geschafft! Am Ende standen 69:29 Minuten auf der Uhr und mein, vor dem Start, gesetztes Ziel, eine Zeit unter 70 Minuten zu erreichen habe ich geschafft, allerdings mit noch viel Luft nach oben! Im Ziel wurde mir dann sofort der Chip abgenommen und ich fand gleich eine Bank zum hinsetzen, um die Roller abzuschnallen. Dann war auch schon die Antonia im Ziel. Knappe 4 Minuten schneller als ich. Jetzt konnten sie das Ziel abbauen. Zum regnen hatte es zwischenzeitlich auch aufgehört. Zur Siegerehrung sind wir nicht geblieben, da ich schnellstmöglich in trockene Kleidung wollte und „wir“ sowieso nicht erwähnt werden dürfen. 

Vielleicht wird ja nächstes Jahr wieder zu Climb the Horn geladen und das dann hoffentlich mit internationaler Beteiligung, dann werde ich wieder am Start stehen, mit dem Ziel, die Stunde zu unterschreiten!! ;-)

Ihr werdet es lesen, ob es geklappt hat …

Stefan Eich Skate the Horn Kitzbühel